Wohnräume auf Schimmel untersuchen

Wohnräume auf Schimmel untersuchen: Bei neuen Winterjacken wir an jedem Knopf und Reißverschluss geprüft ob sie Kälte abhalten. Ähnlich ist es bei deinem Zuhause

Schimmelpilz befällt Schwachstellen an Gebäuden. Besonders gefährdet sind feuchte und kalte Räume. In diesem Artikel erfährst du wie du Schimmel - Risikozonen identifizieren und Schimmelbefall entdecken kannst. Am besten gehst du dabei Raum für Raum vor.


Lesedauer: 7 Minuten | Schwierigkeit: mittel



In zehn Schritten erklärt:

1. Risikobereich Feuchträume

Feuchträume sind alle Räume in denen Wasser verwendet wird oder in die viel Feuchtigkeit z.B. durch nasse Kleidung, Regenschirme oder feuchte Wäsche gelangt. Typische Vertreter dieser Kategorie sind Küche, Bad, Hauswirtschaftsraum, Trockenraum und Übergangsräume zwischen draußen und drinnen wie Eingangsflur, Windfang sowie Räume zum Garten oder zur Garage. Kontrolliere diese Räume * vor allem in den Ecken und an unzugänglichen Stellen* auf Schimmelbefall. Fensterlose Räume verfügen oftmals über eine Entlüftung. Prüfe ob diese einwandfrei funktioniert und ob das Lüftungsgitter frei ist.

Tipp: In den Feuchträumen bleibt oft Wasser in den Ecken stehen, z.B. zwischen Wand und Badewanne. Silikonfugen schützen angrenzende Bauteile und Möbel davor, dass Wasser eindringen kann. An diesen Schwachstellen siedelt sich häufig Schimmel an. Auch Fliesenfugen sind oft Keimzellen für Schimmel.

2. Risikobereich kalte Räume

Ist der Temperaturunterschied zu anderen Räumen größer als 5 °C *, handelt es sich um einen kalten Raum. Kalte Räume sind *meistens Nebenräume wie Vorratskammer, Abstellräume, Vorflur oder Windfang. Aber auch Schlafzimmer und nicht regelmäßig genutzte Räume wie Gästezimmer sind oft zu kalt.

Tipp: Die Wände in wenig beheizten Zimmern sind oft ausgekühlt. Wenn Türen zu diesen kalten Räumen offenstehen, zieht feuchte und warme Luft aus den übrigen Wohnräumen hinein. Diese Luft kondensiert schneller an den kühleren Wänden und begünstigt Schimmelbildung. Halte daher die Türen zu kalten Räumen stets geschlossen um Schimmelbildung vorzubeugen.

3. Risikobereich Außenwände

Luftfeuchtigkeit kondensiert immer an der kältesten Stelle im Raum. Das ist im Winter meist die Außenwand. Prüfe deshalb vor allem die Rauminnenecken auf Schimmelbildung. Auch *Fußbodenleisten sowie Zimmerecken, * die von Möbeln verdeckt werden, sind einem hohen Schimmelrisiko ausgesetzt, da dort die Luft nicht so gut zirkulieren kann wie im übrigen Raum. Die gestaute Luft hat dadurch länger Zeit sich abzukühlen und an der Wand zu kondensieren.

4. Risikobereich Fenster

Zum Fensterbereich gehören die Fensterlaibung, das Fensterbrett und der Rollladenkasten. Fenster sind ein Loch in der Außenhülle und sollten fachgerecht an die Außenwandisolierung angeschlossen sein. Kleine Beschädigungen oder nicht korrekt ausgeführte Dämmung machen diesen Bereich sehr anfällig für Schimmel - prüfe deshalb dort genau, ob Schimmel auftritt.

Tipp: Moderne 3-fach Verglasung isoliert Fenster sehr gut. Vor der Einführung dieser Gläser waren die Fenster meist die kältesten Flächen im Zimmer. Hier kondensierte das meiste Wasser, Schimmel konnte dort aber vergleichsweise wenig Schaden anrichten. 3-fach verglaste Fenster sparen zwar Energie, sind aber nicht mehr so kalt – daher kondensiert die Luftfeuchtigkeit an anderen Stellen im Raum, die weniger gut zugänglich sind. Bei gut isolierten Fenstern ist es daher umso wichtiger, unzugängliche Bereiche hinter Möbeln und Schränken regelmäßig zu überprüfen.

5. Risikobereich Wärmebrücken

Fenster, Türen, Balkone oder Anschlüsse von Vordächern und Markisen können Wärmebrücken sein: Hier geht nicht nur Heizenergie verloren, sondern es dringt auch Kälte von außen schneller und tiefer in die Wand ein als an anderen Punkten. Überprüfe diese Bereiche daher besonders gut auf Schimmel.

6. Risikobereich Fußböden

Zwischen Estrich und Fußbodenbelag kann sich vor allem dann Kondenswasser bilden, wenn unter dem Wohnraum ein kalter Keller liegt oder der Fußboden wie bei einer Loggia oder einer Durchfahrt über dem Außenraum liegt. Achte hier vor allem darauf, dass wenige Möbel direkt auf dem Bodenbelag stehen – diese würden die dringend benötigte Luftzirkulation stören.

7. Raumklima messen

Um die Schimmelgefahr für einen bestimmen Raum abschätzen zu können solltest du dort zuerst die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit messen. Für diese Aufgabe ist am besten eine Kombination aus Hygrometer (für die Luftfeuchtigkeit) und Thermometer geeignet. Stelle dieses Gerät in die Mitte des Raumes auf einen Tisch oder Stuhl und warte eine halbe Stunde bis du die Werte abliest. Die Temperatur sollte zwischen 18 Grad und 22 Grad und die Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 60% liegen*. Ist die Temperatur niedriger als 18 Grad oder unterscheidet sie sich um mehr als 5 Grad von den restlichen Räumen, handelt es sich um einen kalten Raum. Ist die Luftfeuchtigkeit höher als 60% handelt es sich um einen Feuchtraum. *Notiere dir für jeden Raum die gemessenen Werte.

Tipp: Achte darauf, dass du vor der Messung die Räume nicht besonders stark heizt oder lüftest, sonst verfälscht du deine Ergebnisse.

8. Sichtbaren Schimmel suchen

Prüfe gefährdete Räume * intensiv auf Schimmelbefall, also vor allem sichtbare Schimmelbildung oder auffällige Flecken. Konzentriere dich dabei auf die zuvor genannten *Risikobereiche wie Außenwände und Fenster. Kontrolliere auch hinter Schränken, Einbauschränken, Vorhängen und Bildern. Stehen Schränke nah an kalten Wänden, solltest du auch im Schrank nach Schimmel suchen. Sogar unter Teppichen und Läufern kann sich mit der Zeit Schimmel bilden.

9. Oberflächentemperatur und Feuchtigkeit messen

Für diese Aufgabe solltest du ein paar wirklich kalte Tage abwarten -im Idealfall wartest du ein paar Tage Frost ab. An wärmeren und sonnigen Tagen erkennt man Wärmebrücken oft nicht eindeutig. Schimmel entsteht durch Luftfeuchtigkeit, die an den kältesten Stellen im Raum kondensiert. Diese gilt es zu finden. Miss als erstes die Temperatur an einer warmen Stelle der Außenwand. Zum Vergleich kannst du auch die Temperatur einer Innenwand messen sowie die Temperatur über dem Boden im Innenraum. Notiere dir diese Werte, um ein erstes Temperaturprofil zu erstellen.

Jetzt geht es darum, die Temperatur an den Risikobereichen der Außenwand genau zu bestimmen. Mit der Handfläche kannst du vorprüfen welche Stellen du genauer untersuchen willst. Auffällig kalte oder feuchte Punkte kannst du bereits mit der bloßen Hand erfühlen. Bei diesen Stellen stellst du das Thermometer so nah wie möglich an den Messpunkt. Warte etwas und lies dann die Werte ab. Arbeite dich anhand der oben genannten Risikobereiche schrittweise durch den Raum und markiere alle gemessenen Werte.

Tipp: Messungen an schwer zugänglichen Punkten sind mit einem normalen Thermometer kaum durchzuführen. Mit einem Infrarotthermometer oder einem Infrarot – Klimadetector sind die Messungen wesentlich komfortabler, genauer und vor allem schneller. Wenn du dir Zeit sparen möchtest und die Messungen auch jährlich wiederholen willst, lohnt sich die Investition in ein solches Gerät.

10. Versteckten Schimmel nachweisen

Leider lassen sich nicht alle Schimmelherde ausfindig machen. Wenn du einen Verdacht auf Schimmel hast oder sogar gesundheitliche Probleme auf Schimmel hinweisen, solltest du einen Schimmelpilztest durchführen.


Werkzeugliste:

  • Thermometer / Infrarotthermometer
  • Hygrometer